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Fledermäuse sind die einzigen Säugetiere die aktiv fliegen können. Sie haben sich im Laufe der Evolution auch an das Leben in der Nacht angepasst.
Artenvielfalt
Weltweit sind derzeit ca. 1.500 Fledermausarten bekannt. In Österreich wurden aktuell 31 Fledermausarten nachgewiesen, wovon jedoch von zwei Arten nur Einzeltiere registriert wurden. Die heimischen Arten gehören unterschiedlichen Familien an, Flughunde kommen in Österreich nicht vor.
Der Körperbau der Fledermäuse ist vor allem an das Fliegen angepasst:
Flughaut mit Nerven, Blutgefäßen, Muskeln
Unterarm sowie Mittelhand- u. Fingerknochen sind stark verlängert
Sehr dünne, aber stabile Knochen (nicht luftgefüllt)
Schultergürtel und Wirbelsäule sind für den Flug versteift
Fell und meist ein paar Zitzen (Hufeisennasen haben bspw. aber zwei Paar Zitzen)
Diese Merkmale ermöglichen einen wendigen und energiesparenden Flug. Zu den schnellsten heimischen Fledermäusen zählt der Abendsegler.
Alter und Lebenserwartung
Viele Individuen erreichen ein Alter von 2 bis 5 oder mehr Jahren. Für einzelne Individuen wurde jedoch ein Lebensalter von über 30, ja sogar bis über 40 Jahren nachgewiesen – ein bemerkenswert hohes Alter für so kleine Säugetiere.
Die Paarung findet je nach Fledermausart vom Herbst bis ins Frühjahr statt. Die Weibchen speichern die Spermien während des Winterschlafs, die eigentliche Befruchtung der Eizelle erfolgt erst im Frühjahr. Im Frühjahr sammeln sich die Fledermaus-Weibchen in sogenannten "Wochenstuben-Quartieren", in denen die Jungtiere geboren und aufgezogen werden.
Tragzeit: 6–8 Wochen
Geburt: meist Juni bis Juli
In der Regel ein Jungtier pro Jahr, selten Zwillinge
Nicht alle Weibchen einer Kolonie bekommen jedes Jahr ein Jungtier
Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und blind. Sie bekommen - da Fledermäuse Säugetiere sind - Muttermilch. Nach etwa 4–5 Wochen beginnen sie selbstständig zu fliegen und zu jagen.
Sozialverhalten und Kolonien
Während der Jungenaufzucht schließen sich Weibchen zu sogenannten Wochenstuben zusammen. Diese Kolonien können in Österreich mehrere hundert bis tausende Tiere umfassen (z.B. beim Mausohr). Männchen und Weibchen ohne Jungtiere leben im Sommer oft einzeln oder in kleineren Gruppen.
Winterquartiere: Höhlen, Stollen, Keller, Bäume oder Holzstrukturen, Gebäude
Die genutzten Quartiere unterscheiden sich je nach Art und Jahreszeit in Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Struktur. Fledermäuse wechseln zwischen Sommer- und Winterquartieren, und es gibt ziehende Arten, die dabei mehrere hundert bis tausende Kilometer wandern.
Orientierung durch Ultraschall-Echoorientierung
Fledermäuse erzeugen Ultraschall-Rufe im Kehlkopf und stoßen sie über den Mund (Glattnasen) oder die Nase aus (Hufeisennasen). Die zurückkommenden Echos werden zu einem Hörbild verarbeitet. So können Fledermäuse selbst in völliger Dunkelheit sicher navigieren und Beute erfassen.
Alle heimischen Fledermausarten ernähren sich von Insekten und anderen Gliederfüßern (z.B. Spinnentiere). Weltweit existieren auch Fledermäuse mit anderen Ernährungsweisen, wie beispielsweise Frucht-, Nektar- oder Fischfresser, diese kommen in Österreich jedoch nicht vor. Nur drei Arten in Mittel- und Südamerika ernähren sich ausschließlich von Blut. Fledermäuse erbringen wichtige Ökosystemleistungen. Sie vertilgen Insekten, die in der Land- bzw. Forstwirtschaft als Schädlinge auftreten oder für uns Menschen lästig oder gar medizinisch relevant sind, wie Stechmücken.